Die Zukunft verstehen – mit Strategischer Vorausschau

Zukunftsvisionen gibt es viele, doch welche davon sind plausibel? Können wir unsere Zukunft beeinflussen? Was können wir heute tun, um die Voraussetzungen für eine gute Zukunft zu verbessern? Welche Möglichkeiten haben wir, welche Wünsche leiten uns, welchen Unsicherheiten wollen wir begegnen?

Wir können die Zukunft nicht vorhersagen, aber wir können nach Trends und Entwicklungen suchen, die in Zukunft wichtig werden. Der Prozess der Strategischen Vorausschau des Bundesforschungsministeriums tut genau dies: Mit wissenschaftlichen Methoden Zukunftstrends identifizieren und beschreiben, um sich eine Vorstellung der Zukunft machen zu können. Und diese Einblicke stehen nicht nur der Politik offen: vorausschau.de bietet Orientierung für alle, die sich mit der Zukunft auseinandersetzen. Mehr lesen

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„Corona beschleunigt die Reformdebatte zur Globalisierung“

Von Roland Benedikter, Mitglied des Zukunftskreises

Das Zukunftskreis-Mitglied Roland Benedikter über die Auswirkungen der Corona-Krise und die Folgen für unsere Gesellschaft.

Als Sozialwissenschaftler sollten wir keine Katastrophen beurteilen, die noch im Gang sind. Schlüsse ziehen wir zu einem reiferen Zeitpunkt – vor allem im Hinblick auf die Vorwegnahme möglicher neuer Ereignisse. Was aber heute schon gesagt werden kann, ist, dass Corona die deutschsprachige Debatte um Re-Globalisierung beschleunigen wird. Re-Globalisierung heißt: Nachteile, Auswüchse und Übertreibungen bisheriger Globalisierung zu korrigieren - um eine bessere Globalisierung zu ermöglichen. Bisherige Globalisierung stößt an Grenzen und Widerstände - wofür Brexit, das Zerbrechen internationaler Abkommen, die Krise globaler Organisationen, Fridays-for-Future oder der Aufstieg von Populismen nur einige von vielen Indikatoren sind. Corona unterbricht das bisherige System nun noch radikaler. Das führt zu einer kritischen Zwangs-Zwischenbewertung – zunächst vielleicht weniger in den Wissenschaften, sondern vor allem in Politik und breiter Öffentlichkeit. Wenn zum Beispiel klar wird, dass wir – wie von der EU festgestellt – in Europa Medikamente (und andere kritische Güter) wieder selbst erzeugen müssen, statt uns zu 80% von China und Asien abhängig zu machen, oder wenn mit Corona der Eindruck ein Ende hat, dass lokale, regionale und nationale Ordnungen in einer globalisierten Welt keinen Wert mehr haben, dann erfolgt ein Umdenken: eine Korrektur bisheriger Globalisierung. Das kann auch Gutes haben, eine neue Balance bringen. Sollten jetzt Firmen offener Gesellschaften, die wegen Corona-Schließungen in die Krise kommen, von internationalen, zum Teil nicht-demokratischen Akteuren billig aufgekauft werden, wird dies Umkehrtendenzen gegen bisherige Globalisierungspraktiken noch beschleunigen. Langfristig zeichnet sich vielleicht eines ab: System-Differenzen zwischen Demokratien und Nicht-Demokratien werden in der Corona-Krise deutlicher, nicht zuletzt in Informations- und Regulierungspolitik. Sie verstärken Grundsatzfragen nach der Kompatibilität, was sich auch auf trans-systemische Mega-Projekte wie die „Neue Seidenstraße“ auswirken könnte. Die Korrektur der Globalisierung wird nicht ihr Ende sein, sondern eröffnet die Chance, sie besser fortzuführen. Sie kann aber für ein Land wie Deutschland, das stark von Exporten lebt und damit wie wenige in die Globalisierung eingebunden ist, große Veränderungen mit sich bringen. Nach Ende der Krise werden Politik und Zivilgesellschaft hierzulande wie im grösseren gemeinsamen Europa gemeinsam gefordert sein, die richtigen Fragen zu stellen, um Korrekturen vorzunehmen - und die Weichen für eine nachhaltigere, mit Augenmass „glokalere“ Gesellschaft zu stellen. Das wird eine Mammutaufgabe, die nach der tiefen Verunsicherung durch „fake news“ nicht nur ethische Werte rationaler Öffentlichkeit und Demokratie wiederbeleben, sondern auch das Vertrauen und die Zusammenarbeit zwischen Bürgern, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft stärken kann. In der Wissenschaft sollten wir meiner Meinung nach nun auch in Deutschland und Europa die Risiko-Vorausschau-Forschung weiter stärken – nicht rein statistisch oder quantitativ, sondern mittels Einrichtung inter- und transdisziplinärer Ideen-Institute mit Ganzheitsanspruch wie zum Beispiel dem bisher einzigen „Zukunft der Menschheit“ Institut an der Universität Oxford. Was bleibt, ist Menschliches. Woran man sich später erinnert, sind wie im privaten Leben nie Probleme oder Gedanken, sondern immer menschliche Gesten, Ereignisse, Umstände in Nähen und Fernen. Manche sagen, wir werden vor allem vergessen wollen – und zum „business as usual“ gehen. Ich glaube: Nach Ende der Krise werden wir uns an die Helden des Alltags erinnern: die Krankenhauskräfte und Ärzte, die Supermarktarbeiter, die Polizisten und Ordnungskräfte, die Lastwagenfahrer, die Müllarbeiter und die Apotheker. Wir werden den Alltag anders erleben – Menschen und Dinge besser, menschlicher einschätzen und dankbarer sein. Oder etwas philosophischer ausgedrückt: Der postmoderne Relativismus wird in der Krise durch einen neuen Realismus bereichert. Das kann für neue Balancen sorgen, die der Gesellschaft gut tun. Hoffentlich bleiben diese Balancen erhalten. Ich möchte dazu im Zukunftskreis, als Sozialwissenschaftler und als Bürger Europas meinen Beitrag leisten.

Anm.: Die hier veröffentlichten Inhalte und Meinungen der Autorinnen und Autoren entsprechen nicht notwendigerweise der Meinung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung Mehr lesen

Keynote

Prof. Dr. Armin Grunwald

Prof. Dr. Armin Grunwald, Vorsitzender des BMBF-Zukunftskreises, erklärt die Intention hinter dem Foresight-Prozess. Dabei wirft er wichtige Grundsatzfragen auf: Wie passen Forschen und Gestalten zusammen? Kann Forschung wirklich bei der Vorhersage helfen, wie wir in Zukunft leben? Was ist überhaupt „Zukunft“?

Vortrag

Cordula Klaus

Cordula Klaus vom BMBF-Zukunftsbüro stellt vorläufige Ergebnisse einer ersten Studie im Rahmen des dritten Foresight-Prozesses vor. Sie erläutert die Vorgehensweise, lenkt den Blick auf aktuelle Wertevorstellungen in Deutschland und präsentiert vier Szenarien, wie zukünftige Wertelandschaften aussehen könnten.

Interview

Kann man Zukunft erforschen?

Jacob Beautemps spricht mit Cornelia Daheim über Methoden, mit denen Forscherinnen und Forscher in die Zukunft blicken, und welche Themen sie dabei interessieren.

Wünschenswerte Zukunft – Eine Studie

Der neue Foresight-Prozess ist gestartet. Eine Studie zu „Wünschenswerten“ soll nun Anstoß für die Bildung zukunftsrelevanter Szenarien geben. Bei der Eröffnung des Futuriums konnte bereits ein erster Eindruck gewonnen werden.

Als „Vorstellungen des Wünschenswerten“ bilden Werte für viele Menschen im Alltag normative Fixpunkte und besitzen auf individueller Ebene eine sinnstiftende Komponente. Auch wenn Wertvorstellungen auf den ersten Blick die gleichen zu bleiben scheinen, laden sie sich doch inhaltlich stetig neu auf. Als eine Kernaufgabe der ersten Arbeitsphase im Foresight-Prozess III wird daher eine Vertiefungsstudie zur Entwicklung der Werte in Deutschland durchgeführt. Ziel der Studie ist es, mögliche Entwicklungstendenzen und Einflussfaktoren auf die Wertelandschaft in Deutschland zu erfassen. Neben der Analyse aktueller Literatur und Datensätze, Interviews mit Expertinnen und Experten, einer repräsentativen Befragung und der Untersuchung des Einflusses des Internets auf Wertehaltungen, liegt der Fokus auf der Beschreibung unterschiedlicher zukunftsgerichteter Szenarien. Diese sollen mögliche Entwicklungen aufgrund einflussnehmender Faktoren wie z.B. Urbanisierung oder soziale Ungleichheit beschreiben und deren potenzielle Wirkung auf die Wertvorstellungen der Menschen erläutern. Bei der Eröffnung des Futuriums Anfang September 2019 wurden die Besucherinnen und Besucher schon einmal nach ihren „Wünschenswerten“ befragt. Auch wenn die Umfrage nicht repräsentativ war, bot sie doch einen ersten Eindruck von den Wertehaltungen der Menschen. Daraus entstanden ist dieses Bild. Mehr lesen

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Was kommt

Diese Megatrends kennt die Wissenschaft

Anthropogene Umweltbelastungen

Die von Menschen verursachten Umweltbelastungen nehmen zu. Gesetze sollen helfen, unsere Lebensgrundlagen zu schützen.

Demographischer Wandel

8,5 Milliarden Menschen werden 2030 auf der Welt leben. Während die Bevölkerung vor allem in Afrika wächst, schrumpft sie in Europa.

Urbanisierung

Immer mehr Menschen leben in Städten: 2030 werden es voraussichtlich 60 Prozent der Weltbevölkerung sein.

Digitale Transformation

Digitale Technologien erobern alle Lebensbereiche, wobei sich die Veränderungsdynamik bis 2030 weiter verstärken wird.

Veränderte Arbeitswelten

Die Arbeitswelt von morgen ist räumlich und zeitlich flexibler. Auch Künstliche Intelligenz und Robotik verändern die Arbeitsprozesse.

Business Ökosysteme

Geschäftsfelder in Unternehmen verändern sich dynamisch und Innovationen entstehen an den Schnittstellen ehemals getrennter Branchen.

Ausdifferenzierte Lebenswelten

Sie äußern sich in dynamischen Geschlechterrollen, neuen Formen der Individualität und differenzierten Konsummustern.


Nähere Informationen zu diesen und weiteren Megatrends finden Sie hier.

Interview

Was ist der Zukunftskreis?

Prof. Dr. Grunwald, Vorsitzender des Zukunftskreises, über Foresight und den Zukunftskreis

GALERIE

Mitglieder des Zukunftskreises

Werkzeuge der Wissenschaft

Mit diesen Methoden schauen wir nach vorne

Futures Wheel

Mit dieser Methode werden direkte oder indirekte Folgen eines Trends oder eines Ereignisses aufgezeigt.

Delphi

Hier werden verschiedene Fachleute in mehreren Runden einzeln und anonym zur Wahrscheinlichkeit neuer Entwicklungen befragt.

Szenariotechnik

Mit dieser Technik werden mögliche Zukünfte beschrieben und relevante Faktoren für neue Entwicklungen qualitativ bewertet.

Visioning

Beim Visioning formulieren die Teilnehmenden ihre Zukunftserwartungen – und lassen dabei auch ihre Werthaltungen einfließen.


Weitere Informationen zu den Methoden finden Sie hier.

Vorausschau weltweit

Hier blicken Expertinnen und Experten in die Zukunft


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